SDGs nicht nur als Feierabendprogramm – politische Verantwortung im Physikstudium
An zahlreichen Hochschulen gibt es Veranstaltungen zu Klimafragen, zur gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaft bzw. der Physik, zu Technikfolgenabschätzung, zu Abrüstungsverifikation etc. Die Wissenschaft wird – ob sie will oder nicht – selbst zunehmend politisiert. Daher stellt sich die Frage, wie mit dieser politischen Rolle im Rahmen des Physikstudiums umgegangen werden soll.
Wir wollen die bestehenden Ansätze, die Konzeptionen dahinter und die Erfahrungen damit zusammentragen. Dabei interessieren uns besonders drei Fragen:
- Wovon hängt es ab, inwiefern politische Diskurse/Fragen die Aktivitäten der Fachbereiche prägen?
- Wie werden politische und ethische Fragestellungen bereits im Physikstudium thematisiert? Passiert dies im Rahmen des Pflicht- oder Wahlprogramms?
- Inwiefern lassen sich Ansätze zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung, die sich zumeist auf die Schule beziehen, auf die Hochschule übertragen? Und wessen Verantwortung ist es, dies in Angriff zu nehmen (Universität, Fakultät, einzelne Lehrende)?
Anregungsfragen:
- Wie lässt sich nachhaltige Bildung in das Physikstudium integrieren?
Welche der UN Sustainable Development Goals (SDG) gehören unbedingt in das Physikstudium bzw. den Fachbereich Physik? - Inwiefern sollen Physiker:innen als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung (Rolle von Wissensautorität) trotzdem über die anderen SDGs sprechen?
- Inwiefern sollte sich die Forschung – auch beim Beantragen von Drittmitteln – an diesen Zielen orientieren? Und inwiefern tut sie das bereits?
- Ist so etwas wie eine ‘Woche der Nachhaltigkeit’ sinnvoll oder eher schädlich, weil Nachhaltigkeit dadurch wie ein Ausnahmeprogramm behandelt wird?
- Inwiefern gibt es einen Zusammenhang zwischen Leaky Pipeline und dem nicht-Thematisieren von sozialer Verantwortung? Immerhin ist die Frauenquote im Sozialbereich und im Aktivismus recht hoch.
- Wie steht eine SDG-Orientierung zu Forschung an militärisch nutzbarer Technologie im Verhältnis, die von Bundesregierung und EU immer stärker propagiert wird? (Beispiel)
- Wie gerechtfertigt ist folgende Haltung: “Es stimmt, noch wissen wir nicht, wofür Quantentechnologien nützlich sein werden. Wofür wir sie einsetzen werden hängt aber in erster Linie davon ab, welche Anwendungsmöglichkeiten wir beforschen. Wir können uns eine Fragestellung zum Ziel setzen, die für die Gesellschaft hilfreich ist und werden dann schon eine Anwendung dazu finden.” Welche historischen Beispiele und Gegenbeispiele gibt es für diesen Standpunkt?
- Auch naturwissenschaftsbezogene Standpunkte zur Zeitenwendepolitik der Bundesregierung und EU sind willkommen.
Wir freuen uns über die Einreichung (bitte an orga@studienreform-forum.de) von Essays und Erfahrungsberichten bis zum 15.02.2026. Die Einreichungen werden im Workshop des Studienreform-Forums auf der DPG Frühjahrstagung in Dresden (08. bis 13.3.) diskutiert.
